Vorbild sein

An ein paar Fussgängerampeln (nein, nicht an dieser hier) wurde zum Schulanfang ein Schild angebracht: „Bei Rot stehen. Kindern Vorbild sein!“ Das „K“ hatte dann irgendein Witzbold mit Klebeband überklebt. Normalerweise liebe ich solche Buchstabenspielereien, aber 1. ist seit der rechtspopulistischen „Kinder statt Inder“-Kampagne dieses Wortspiel in Deutschland nicht mehr so wirklich der Bringer und 2. stehen besagte Ampeln 20 Meter Luftlinie von einem Pizza-Service entfernt, der von Sikhs betrieben wird. Die müssen also täglich an diesen Ampeln vorbei. Was sie wohl dabei denken? Sie müssen diesen „Scherz“ doch direkt auf sich beziehen, oder?

Ich habe mich geärgert, ein bisschen fremdgeschämt – und bin weitergegangen und habe die Sache vergessen.

Heute stand ich mal wieder an einer dieser Ampeln und mir fiel auf, dass jemand bei dieser den Klebestreifen entfernt hatte. Selbiges tat ich dann endlich auch mit den anderen Schildern.
Wieso hatte ich erst das Vorbild eines anderen gebraucht, um aus diffusem Unbehagen, stiller Empörung und innerem Kopfgeschüttel endlich Handlung werden zu lassen?

Aber wer weiss, vielleicht haben mich ja ein paar Kinder zufällig dabei beobachtet, wie ich das Klebeband mit den Fingernägeln vom Schild gekratzt habe…

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3 Antworten to “Vorbild sein”

  1. Thinkabout Says:

    ich liebe solche Beispiele für einen bewussten Umgang im Alltag, der doch so leicht wieder menschlicher werden kann

  2. Richard K. Breuer Says:

    „Lektorin D.“ schreibt sich ja die Finger Wund, in ihrem neuen Blog. Aber so gehört das wohl.

    Ja, Zivilcourage fängt im Kleinen an. Ob dazu aber das Herunterkratzen eines Klebebandes gehört, nun ja, das kann ich nicht sagen, aber darüber sinnieren kann ich jetzt auch nicht, du weißt, ich muss weitermachen …

    Am besten, du klopfst hin und wieder bei mir an … in meiner Seifenblasenpusterei verliere ich soo schnell jeden Link 😉

  3. flashfrog Says:

    @Richard: Nein, es ging mir auch nicht um spektakuläre Aktionen, bei denen man den Hals riskiert. 😉 Einfach nur um die alltägliche Gedankenlosigkeit.

    Dann wünsche ich dem Herrn Dichter viel Erfolg beim blasen. Äh, schreiben. 🙂

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