Archive for Oktober 2008

Schöne Wörter: Säumen

Oktober 19, 2008

Entschuldigung, ich habe gesäumt.

Klingt schön, oder?

Wer denkt bei dem Wort eigentlich noch an den Säumer, der mit seinem mit italienischen Köstlichkeiten beladenen Esel über einen Alpenpass wandert? So schön altmodisch entschleunigt, verglichen mit dem rasenden Globalverkehr heutiger Tage? Oder an die Wildblumen, die den Rand seines Weges gesäumt haben mögen, der noch Zeit hatte, sie wahrzunehmen? Säumen reimt sich auf träumen. Im Falle des Säumers bedeutet Sauma „Last“. Und Lästiges schiebt man ja allzu gern auf die lange Bank.

Ich habe verabsäumt, über die Frankfurter Buchmesse zu berichten, aber Sibylle Berg hat dies vor einem Jahr schon so unvergleichlich getan. Dem kann man eigentlich nicht viel hinzufügen.

Ich habe versäumt, das TV-Duell des Monats zu analysieren und festzustellen, dass Herr Reich-Ranicki und Herr Gottschalk da offenbar an einander vorbeiredeten: Für Gottschalk bemisst sich „Erfolg“ nach Quote, so hat er es gelernt. Und so lange das so ist, und solange die Entscheider fernerhin davon überzeugt sind, dass man Quote am besten macht, indem man eine möglichst grosse Masse bei den niedersten Instinken packt, wird sich in Sachen Qualität nichts entscheidend ändern. Aber auch das wissen wir ja längst.

Die Celan-triefende Rede, die der Bildhauer Anselm Kiefer da zum Erhalt des Friedenspreises des Dt. Buchhandels geschwurbelt hat über das kollektive Unterbewussstsein der Deutschen und die Leere im eigenen Inneren (ja, die Leere, man konnte sie förmlich mit Händen greifen bei dieser Rede), die hätte ich dagegen nicht verprokrastiniert, sondern beinahe ganz bewusst verschwiegen.

Prokrastination ist für manchen schon das Unwort des Jahres. Für andere ein Grund, eine sehr empfehlenswerte witzige Glosse zu schreiben. Oder gar ein ganzes Buch. Prokrastination ist in aller Munde.

Dabei ist Saumseligkeit doch ein unendlich viel schöneres Wort!

Sollte man jetzt

Oktober 11, 2008

Island kaufen oder warten, bis es bei Ebay eingestellt wird? #einsame Insel

Nobel-Literatur

Oktober 10, 2008

Und dann steht man da als gelernter Litwisser.  J.M.G. Le Wer? Was soll der geschrieben haben? Und warum weiß ich davon nichts? Ein globaler kritischer Autor, der über Westafrika schreibt, der müsste mir doch irgendwann mal untergekommen sein, wenn er etwas taugt, selbst wenn er Franzose ist.

 

Was bedeutet der Nobelpreis eigentlich? Ein Qualitätsstempel für ein Lebenswerk? Eine Art Pensionisten-Förderpreis für unbekannte Literaten?

Oder ist es doch eher eine politische, und damit eine nicht unwesentlich vom Zeitgeist bestimmte Entscheidung? Global kommt gut, amerikanisch im Moment nicht so, da hat ein Don deLillo schlechte Karten und Philip Roth wirkt noch erheblich zu rüstig, als dass man schleunig handeln müsste.

Die Autoren, denen ich persönlich den Nobelpreis verleihen würde, sind sowieso entweder zu jung oder zu populär oder zu tot.

 

„Onitsha“ von Jean-Marie Gustave Le Clézio steht auf jeden Fall jetzt auf meiner Lese-Wunschliste.  

 

Psychiatrie für Kuscheltiere

Oktober 7, 2008

Da unten rechts gibt es viele neue Lieb-Links zum Anhören, Lesen und Spielen.

Zum Beispiel das schon etwas ältere aber immer noch geniale Paraplüsch. Bei dieser manisch-depressiven Schildkröte komme ich heute irgendwie zu keinem Therapieerfolg. Weiß jemand Rat?

Achja, und im

Oktober 6, 2008

neuen Nebelspalter steht auch ein Textlein von mir drin.

Entenrennen

Oktober 6, 2008

Das sind ein paar der 6000 Quietscheentchen, die dieses Jahr auf dem Neckar schwimmen gingen, weshalb es auch eigentlich korrekterweise Entenschwimmen heißen müsste. Mein Quackquack wurde Hundertvierter, tolle Leistung, habe auch fleißig vorher in der Badewanne mit ihm trainiert.

Das Ganze findet zugunsten einer ganzen Reihe von guten Zwecken statt.

Einheitsbrei

Oktober 3, 2008

Pünktlich zum Deutschen Einheiztag haben die Gaskonzerne ihre Preise — Moment, falsches Thema.

Also, wir feiern heute die Deutsche Einheit. Oder was man gemeinhin so nennt. Denn so wirklich einheitlich kommt mir Deutschland immer noch nicht vor, auch wenn die Bayern die CSU jetzt ein bisschen abgewählt haben, was die kleinen Parteien, also FDP, SPD, Grüne und Freie Wähler, natürlich tierisch gefreut hat, besonders die (Neo-)Liberalen, wenn es jetzt zu einer schwarzgelben Koalition kommt. Aber ob sich der Rest der Republik über diesen Rechtsruck wirklich freuen sollte?

Aber ich wollte ja eigentlich etwas Feierliches zum Tag der Deutschen Einfalt hier schreiben. Einheit. Richtig. Komisches Wort. Klingt irgendwie verdächtig sozialistisch. Einheitliche Löhne für gleiche Arbeit, sogar für Frauen und Ossis, niemand darf wegen seines Geschlechts oder seiner Herkunft benachteiligt werden, das ist z.B. so ein wirres Gewäsch. Die Leute sollen doch dankbar sein, dass überhaupt wieder neue Jobs entstehen. Sind zwar hauptsächlich Leiharbeits- und Praktikantenstellen, also quasi eine moderne Mischung zwischen Leibeigenschaft und Tagelöhnerei, aber hey, von der Arbeit auch noch leben können zu wollen ist jetzt auch ein bisschen dreist, oder? Man kann eben nicht alles haben.
Und dann ruft es immer gleich nach dem Staat, dieses ungewaschene arbeitsscheue Gesindel da, als ob der nix besseres zu tun hätte.
Mit Milliardenbürgschaften Banken sanieren zum Beispiel. Und wenn der Bürgschaftsfall dann wirklich eintritt, was bei der derzeitigen weltkonjunkturellen Lage niemand wirklich ausschließen mag, dann wird eben das Hartz IV ein bisschen gekürzt, das kriegen wir schon hin. Wozu braucht eine Hartz IV-Familie denn auch Geld für Kultur und Bildung? Der gemeine Spitzenmanager oder Finanzoptimierer kommt doch auch prima ohne durchs Leben. Dem reichen ein paar Nu-, äh, Modells, ein paar Yachten und ein Damian Hurst fürs Büro. Daran sollten sich diese ganzen alleinerziehenden Mütter ruhig mal ein Beispiel nehmen, statt ständig über fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu nörgeln. In Sachen Kinderbetreuung ist der Osten sogar Spitze, und die Frauen gehen trotzdem nicht arbeiten, bloß weil der nächste ihnen angebotene Arbeitsplatz 200 Kilometer weit weg liegt. Dann sollen sie halt einen Gaskonzern gründen oder eine Bank. So ein bisschen Flexibilität  und Eigeninitiative wird man doch wohl erwarten können vom Arbeitnehmer des 21. Jahrhunderts. Wie soll der Wirtschaftsstandort in dem wir leben sonst langfristig mit den Löhnen in Rumänien, Indien und China konkurrieren können?

PS: Was ist eigentlich aus den Bürgerrechtlern der Wendezeit geworden?

Schneckenhaus

Oktober 2, 2008

Die Blätter fallen von den Bäumen.
Die Schnecke fühlt sich pudelnackt.
Das lässt von eignen Räumen träumen.
Die Wohnungssuche ist vertrackt.

Nächtens wird es deutlich kälter.
(Geht das schnell in diesem Jahr!)
Man wird selbst ja auch schon älter,
hat genug von FKK.

Will so obdachlos nicht warten.
Würd so gern ein Haustier sein.
„Schnecke sucht ein Haus mit Garten“
schreibt sie in die Zeitung rein.

Im Mobilienmarkt da bieten
Makler Exklusives an:
Luxushäuser zu vermieten –
wenn man sich die leisten kann.

Und in einem Inserat steht
ein Gehäuse im Tessin,
super Lage im Salatbeet.
Dahin würd sie gerne ziehn!

(Diana_Porr)