Archive for the ‘lesen und schreiben’ Category

Chat

Februar 21, 2009

[Der Schriftsteller hat das Gehirn betreten.]

SCHRIFTSTELLER: Hallo? Irgendjemand hier?
FRÜHSTÜCKSTELLER: Servus.
SCHRIFTSTELLER: Du schon wieder
FRÜHSTÜCKSTELLER: Ich bin der Geist der stets verneint…
SCHRIFTSTELLER: Größenwahnsinnig bist, nix weiter!
FRÜHSTÜCKSTELLER: …dein Gewissen, mein Freund, deine Brieftasche, die dunkle Seite der Macht.
SCHRIFTSTELLER: Ein nervtötender Pedant bist!
FRÜHSTÜCKSTELLER: Ooch, läufts net so mit der Arbeit heute? *fg*
FRÜHSTÜCKSTELLER: Ach, was sag ich, heute! Haben wir diese Woche überhaupt schon etwas annähernd Sinnvolles zu Papier gebracht? Hm?
BILDSCHIRM: Ich fühle mich so leer…
FRÜHSTÜCKSTELLER: Wem sagst du das. *seufz*
SCHRIFTSTELLER: Wenn der Text für den Spot mit der tanzenden Windel fertig ist und die Fußball-Kolumne. Ich schwörs euch!
BILDSCHIRM: Hm.
BILDSCHIRM: *dummdideldumm*
BILDSCHIRM: Wieso glaub ich ihm das jetz nicht?
FRÜHSTÜCKSTELLER: Du kennst ihn halt zu gut. *zwinker*
SCHRIFTSTELLER: *grummel*
FRÜHSTÜCKSTELLER: Wenn er wenigstens mal den Kuscheleffekt erfunden hätte oder die Gesund-und-Munter-Yoghurtkulturen! Gier ist geil! Auf diese Schweine können Sie hauen. Have a Break, have a Kitekat. Aber selbst für Werbesprüche hat er zu wenig Phantasie.
BILDSCHIRM: Ja, traurig, nicht?
SCHRIFTSTELLER: Ich muss doch sehr bitten!
FRÜHSTÜCKSTELLER: Du bist laaang-weiii-lig!
SCHRIFTSTELLER: Mir fehlt zu dem Thema heute einfach die richtige Inspiration.
FRÜHSTÜCKSTELLER: Dein Geschreibsel ist genauso fad und ideenlos wie das, was du mir jeden Morgen zumutest. Das wollt ich dir übrigens schon lang mal sagen: Jeden Morgen Erdbeermarmelade. Genauso fad wie deine Manuskripte…
SCHRIFTSTELLER: Das ist wohl typische Kafkasche Dilemma. *seufz*
FRÜHSTÜCKSTELLER: …die von den Verlagen sowieso ungelesen an Konfettifabriken weiterverscherbelt werden…
SCHRIFTSTELLER: Hey, was kann denn ich dafür, wenn die Verlage literarisch ambitionierten Newcomern einfach keine Chance geben?
FRÜHSTÜCKSTELLER: …zum Kilopreis.
BILDSCHIRM: Und ich kann mich nichtmal gegen seine Ergüsse wehren!
SCHRIFTSTELLER: Plagegeister! Saubande, vermaledeite!
FRÜHSTÜCKSTELLER: Ich will Kaviar! *quengel*
SCHRIFTSTELLER: Wie stellst du dir das vor bei einem brotlosen Künstler, hä? Das wäre völlig unrealistisch und unglaubwürdig an dieser Stelle! Den Kaviar würde mir jeder Lektor umgehend um die Ohren hauen!
BILDSCHIRM: Also, ich hätte nix dagegen…
FRÜHSTÜCKSTELLER: Ich will Frühstück bei Tiffany!
SCHRIFTSTELLER: Das ist ein Film.
FRÜHSTÜCKSTELLER: Oh.
FRÜHSTÜCKSTELLER: Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
SCHRIFTSTELLER: Schluss mit lustig! Schleich dich, ich muss arbeiten!
FRÜHSTÜCKSTELLER: Ich bin dann mal weg…

Erbgut

Januar 17, 2009

Ich fahre wegen dem Ding ganz sicher nicht nochmal nach Spaichingen.“

„Rainer wäre wohl auch kaum erfreut, dich zu sehen, so wie du dich aufgeführt hast.“

„Ich habe mich nicht aufgeführt.“

„Nun, sagen wir mal so: Deine Schwabenwitze auf der Beerdigungsfeier sind nicht bei allen Trauergästen gut angekommen.“

„Und wie sollen wir das Monstrum überhaupt nach Berlin kriegen? Hast du dir das schon mal überlegt? In den Kofferraum wird ein ausgewachsenes Biedermeiersofa ja wohl kaum passen.“

„Wir könnten am Wochenende den alten Bully von Jonas ausleihen? Ach komm schon! Es ist ein Erinnerungsstück und Tante Hedi war immerhin meine Lieblingstante.“

„Wenn du ihre Lieblingsnichte warst, warum hat sie dir dann nur ein schäbiges altes Sofa vermacht? Sie muss doch steinreich gewesen sein, nachdem sie nach Friedrichs Tod die Firma verkauft hatte.“

„Rainer sagt, sie wäre etwas wunderlich geworden auf ihre alten Tage …“

„Kann ich mir lebhaft vorstellen, dass man wunderlich wird, wenn man in einem Kaff wohnt, wo die einzige Abwechslung, auf die man sich freuen kann, die eigene Beerdigungsfeier ist.“

„Stefan, es reicht!
Mit Rainer hat sie sich im Übrigen nie besonders verstanden. Ihr Sohn und sie sind sich wohl eher aus dem Weg gegangen.“

„Sagt wer?“

„Rainer.“

„Vielleicht hat sie die Kohle ja heimlich in der Karibik auf den Kopf gehauen? Oder sie hat sich mit Aktien verspekuliert?“

„Tante Hedi und Aktien! Sie hat doch nichtmal einem Sparbuch bei ihrer Bank vertraut. Früher hat sie ihr Geld in einem leeren Gurkenfass gehortet.“

„Sagt Rainer?“

„Sagt meine Mutter.“

„Kannst du dich erinnern, dass auf diesem Möbel jemals irgendwer gesessen hat? Und ich kann dir auch sagen warum. Ich habs nämlich mal versucht, bei Tante Hedis 70stem, notgedrungen, weil alle anderen Sitzgelegenheiten von deiner lieben umfangreichen Verwandtschaft belegt waren: Die Polsterung ist hart wie ein Brett, nach zehn Minuten auf dem edlen Stück ist mir der Hintern eingeschlafen.“

„Und wenn es irgendwie wertvoll ist? Es ist immerhin antik!“

„Und an der gesamten hinteren Kante war der Bezugsstoff gerissen und deine Tante hatte ihn offenbar eigenhändig wieder zusammengeflickt, der krummen Naht nach zu schließen. Pathologischer schwäbischer Geiz!
Und wo sollten wir das Teil überhaupt hinstellen? Zu unserem Einrichtungsstil passt ein Biedermeiersofa ja nun nicht wirklich.“

„Einrichtungsstil? Ach, du meinst das exquisite Ikea-Ambiente mit den raffinierten Flohmarkt-Elementen hier? Wenn du mal ein paar anständig bezahlte Aufträge reinholen würdest, dann könnten wir uns vielleicht mal ein paar anständige Möbel leisten.“

„Sagt deine Mutter?“

„Sage ich.“

„Seit wann bist du eigentlich so spießig?“

„Nein im Ernst, die Tür vom Kleiderschrank klemmt schon ewig, dafür springt deine Wäscheschublade jedes Mal aus der Schiene, wenn man sie aufzieht, aber das scheint dich ja nicht zu kratzen, du lässt sie ja eh immer offen stehen.“

„Weil sie immer aus der Schiene springt!“

„Und deine alte Jugendzimmerklappcouch ist ehrlich gesagt auch nicht gerade der Bringer, einrichtungslifestylemäßig.“

„Hey, auf genau dieser Couch haben wir uns das erste Mal geküsst, remember? Außerdem ist sie retro und das hier ist Berlin – arm aber so sexy wie Angela Merkel.“

„OK, ich rufe Rainer an, er soll das Sofa auf den Sperrmüll geben.“

Das ist doch mal ein vernünftiges Wort.“

„Aber schon irgendwie rätselhaft, was sie mit ihrem ganzen Geld gemacht hat, oder?“

(von Diana Porr)

Schöne Wörter: Säumen

Oktober 19, 2008

Entschuldigung, ich habe gesäumt.

Klingt schön, oder?

Wer denkt bei dem Wort eigentlich noch an den Säumer, der mit seinem mit italienischen Köstlichkeiten beladenen Esel über einen Alpenpass wandert? So schön altmodisch entschleunigt, verglichen mit dem rasenden Globalverkehr heutiger Tage? Oder an die Wildblumen, die den Rand seines Weges gesäumt haben mögen, der noch Zeit hatte, sie wahrzunehmen? Säumen reimt sich auf träumen. Im Falle des Säumers bedeutet Sauma „Last“. Und Lästiges schiebt man ja allzu gern auf die lange Bank.

Ich habe verabsäumt, über die Frankfurter Buchmesse zu berichten, aber Sibylle Berg hat dies vor einem Jahr schon so unvergleichlich getan. Dem kann man eigentlich nicht viel hinzufügen.

Ich habe versäumt, das TV-Duell des Monats zu analysieren und festzustellen, dass Herr Reich-Ranicki und Herr Gottschalk da offenbar an einander vorbeiredeten: Für Gottschalk bemisst sich „Erfolg“ nach Quote, so hat er es gelernt. Und so lange das so ist, und solange die Entscheider fernerhin davon überzeugt sind, dass man Quote am besten macht, indem man eine möglichst grosse Masse bei den niedersten Instinken packt, wird sich in Sachen Qualität nichts entscheidend ändern. Aber auch das wissen wir ja längst.

Die Celan-triefende Rede, die der Bildhauer Anselm Kiefer da zum Erhalt des Friedenspreises des Dt. Buchhandels geschwurbelt hat über das kollektive Unterbewussstsein der Deutschen und die Leere im eigenen Inneren (ja, die Leere, man konnte sie förmlich mit Händen greifen bei dieser Rede), die hätte ich dagegen nicht verprokrastiniert, sondern beinahe ganz bewusst verschwiegen.

Prokrastination ist für manchen schon das Unwort des Jahres. Für andere ein Grund, eine sehr empfehlenswerte witzige Glosse zu schreiben. Oder gar ein ganzes Buch. Prokrastination ist in aller Munde.

Dabei ist Saumseligkeit doch ein unendlich viel schöneres Wort!

Nobel-Literatur

Oktober 10, 2008

Und dann steht man da als gelernter Litwisser.  J.M.G. Le Wer? Was soll der geschrieben haben? Und warum weiß ich davon nichts? Ein globaler kritischer Autor, der über Westafrika schreibt, der müsste mir doch irgendwann mal untergekommen sein, wenn er etwas taugt, selbst wenn er Franzose ist.

 

Was bedeutet der Nobelpreis eigentlich? Ein Qualitätsstempel für ein Lebenswerk? Eine Art Pensionisten-Förderpreis für unbekannte Literaten?

Oder ist es doch eher eine politische, und damit eine nicht unwesentlich vom Zeitgeist bestimmte Entscheidung? Global kommt gut, amerikanisch im Moment nicht so, da hat ein Don deLillo schlechte Karten und Philip Roth wirkt noch erheblich zu rüstig, als dass man schleunig handeln müsste.

Die Autoren, denen ich persönlich den Nobelpreis verleihen würde, sind sowieso entweder zu jung oder zu populär oder zu tot.

 

„Onitsha“ von Jean-Marie Gustave Le Clézio steht auf jeden Fall jetzt auf meiner Lese-Wunschliste.  

 

Achja, und im

Oktober 6, 2008

neuen Nebelspalter steht auch ein Textlein von mir drin.

Einheitsbrei

Oktober 3, 2008

Pünktlich zum Deutschen Einheiztag haben die Gaskonzerne ihre Preise — Moment, falsches Thema.

Also, wir feiern heute die Deutsche Einheit. Oder was man gemeinhin so nennt. Denn so wirklich einheitlich kommt mir Deutschland immer noch nicht vor, auch wenn die Bayern die CSU jetzt ein bisschen abgewählt haben, was die kleinen Parteien, also FDP, SPD, Grüne und Freie Wähler, natürlich tierisch gefreut hat, besonders die (Neo-)Liberalen, wenn es jetzt zu einer schwarzgelben Koalition kommt. Aber ob sich der Rest der Republik über diesen Rechtsruck wirklich freuen sollte?

Aber ich wollte ja eigentlich etwas Feierliches zum Tag der Deutschen Einfalt hier schreiben. Einheit. Richtig. Komisches Wort. Klingt irgendwie verdächtig sozialistisch. Einheitliche Löhne für gleiche Arbeit, sogar für Frauen und Ossis, niemand darf wegen seines Geschlechts oder seiner Herkunft benachteiligt werden, das ist z.B. so ein wirres Gewäsch. Die Leute sollen doch dankbar sein, dass überhaupt wieder neue Jobs entstehen. Sind zwar hauptsächlich Leiharbeits- und Praktikantenstellen, also quasi eine moderne Mischung zwischen Leibeigenschaft und Tagelöhnerei, aber hey, von der Arbeit auch noch leben können zu wollen ist jetzt auch ein bisschen dreist, oder? Man kann eben nicht alles haben.
Und dann ruft es immer gleich nach dem Staat, dieses ungewaschene arbeitsscheue Gesindel da, als ob der nix besseres zu tun hätte.
Mit Milliardenbürgschaften Banken sanieren zum Beispiel. Und wenn der Bürgschaftsfall dann wirklich eintritt, was bei der derzeitigen weltkonjunkturellen Lage niemand wirklich ausschließen mag, dann wird eben das Hartz IV ein bisschen gekürzt, das kriegen wir schon hin. Wozu braucht eine Hartz IV-Familie denn auch Geld für Kultur und Bildung? Der gemeine Spitzenmanager oder Finanzoptimierer kommt doch auch prima ohne durchs Leben. Dem reichen ein paar Nu-, äh, Modells, ein paar Yachten und ein Damian Hurst fürs Büro. Daran sollten sich diese ganzen alleinerziehenden Mütter ruhig mal ein Beispiel nehmen, statt ständig über fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu nörgeln. In Sachen Kinderbetreuung ist der Osten sogar Spitze, und die Frauen gehen trotzdem nicht arbeiten, bloß weil der nächste ihnen angebotene Arbeitsplatz 200 Kilometer weit weg liegt. Dann sollen sie halt einen Gaskonzern gründen oder eine Bank. So ein bisschen Flexibilität  und Eigeninitiative wird man doch wohl erwarten können vom Arbeitnehmer des 21. Jahrhunderts. Wie soll der Wirtschaftsstandort in dem wir leben sonst langfristig mit den Löhnen in Rumänien, Indien und China konkurrieren können?

PS: Was ist eigentlich aus den Bürgerrechtlern der Wendezeit geworden?

Dieses Finanzfiasko da

September 23, 2008

Wohin verschwinden eigentlich 1000 Milliarden? Und wieso merkt sowas keiner? Und wer soll das jetzt bezahlen?

Da hatten wir denselben Gedanken, die Welt und ich. Was ja jetzt auch nicht so häufig vorkommt.

Auch mir kam der Roman „American Psycho“ in den Sinn bei dem Finanzinvestmentsupergau der letzten Woche. Da wird die Wall Street beschrieben als eine zynische Welt, in der nur die Oberfläche zählt, der Style, die Fassade. Eine inhumane Welt, abstrakt, ohne Werte, die sich nicht in Zahlen ausdrücken lassen. Eine völlige Gefühlstaubheit gegenüber dem, was diese Männer in ihren Designeranzügen anderen antun. Das System der globalen Finanzmärkte ist ein kannibalistisches.

Wieder so eine schöne böse Allegorie.

Bret Easton Ellis: American Psycho
Auf Englisch:
Random House
ISBN-10:
0307278638
ISBN-13:
978-0307278630

Auf Deutsch:
Kiepenheuer & Witsch 2006
ISBN-10:
3462036998
ISBN-13:
978-3462036992

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(Keine Angst, ich empfehle hier demnächst auch mal nette freundliche kuschelige Bücher.)

Laubschnupfen

September 19, 2008

Ich leide an einer Allergie gegen Herbst.
Kaum fallen die Temperaturen und die Blätter, bekomme ich schweren Laubschnupfen. Die Nase ist verstopft, die Augen jucken, und weil ich damit nicht schlafen kann, sinkt meine Stimmung und meine Gesamtkonstitution in Folge gegen Null. Mein Hausarzt glaubt mir nicht. Er versichert mir, er würde nur Patienten mit Heuschnupfen behandeln, dafür wäre ich aber leider zu spät dran. Mein Arzt tippt auf Heizungsluft. Egal, was ich vorbringe zur Verteidigung meiner neu entdeckten Krankheit, meinem sicherlich irgendwann einmal nach mir benannt werdenden Flashfröglichen Laubschnupfen, an dem bestimmt Tausende, ach, was sag ich, Millionen leiden, ohne es zu wissen, mein Arzt ist nicht davon abzubringen: ich hätte einen akuten Fall von Heizungsluft.

Er empfiehlt mir dagegen ein Meerwasser-Nasenspray. Aha. Das kostet mich 4 Euro, weil eingebildete Krankheiten nicht von der Kasse übernommen werden. Das Spray enthält, als ich den Beipackzettel zu Hause genauer studiere, in der Hoffnung auf interessante Nebenwirkungen, eine Natrium-Chlorid-Lösung.
Genauer gesagt ist das, wenn mich meine rudimentären Erinnerungen an den Chemieunterricht nicht täuschen: Kochsalzwasser.

Naja, vielleicht hilft gegen eine eingebildete Krankheit ja ein eingebildetes Medikament. Vielleicht ist das so wie mit homöopathischen Mitteln, da ist ja ausser Wasser auch nix drin, aber wenn man ganz fest dran glaubt, soll es ja helfen. Habe ich selber nie ausprobiert, aber ich erinnere mich daran, dass ich als Kind ein Zwergkaninchen hatte, dass einmal mit homöopathischen Mittelchen behandelt wurde.
Und hat schonmal irgendjemand einen Fisch mit Schnupfen gesehen?
Eben.

Aber der eigentliche Knaller bei diesem tollen Meerwasser-Nasenspray ist ja, dass 12 Milliliter Salzwasser wiegesagt 4 Euro kosten. Ein Liter Salzwasser käme dann etwa, Moment, 333 Euro. Nun gibt es auf diesem Planeten kaum etwas in solchem Überfuss wie unausgebeutete Reserven an Meerwasser. Das bringt mich auf eine super Geschäftsidee…

Das Zwergkaninchen ist dann übrigens doch gestorben damals, trotz Homöopathie. War wohl eher der skeptische Typ.

Frau Berg hat ein neues Zuhause

September 17, 2008

Sieht schnuckelig aus.

Und am besten gleich die Briefe von Frau Berg abonnieren. Die gibts es zum Glück immernoch.

Und aus aktuellem Anlass eine Rezension über eins der 3 besten Bücher, die ich je gelesen habe.

Konstruktive Kritik

September 5, 2008

Am siebten Tage aber, als Gott eigentlich mal so richtig ausspannen wollte, wurde ihm schnell langweilig. Da nahm er einen Klumpen Lehm zur Hand und begann, ein wenig herumzubasteln. So schuf er den Kritiker.
Kaum hatte Gott dem Kritiker das Leben eingeblasen, da legte der auch schon los:

„An sich durchaus eine nette Idee, so eine Schöpfung, aber die Umsetzung ist ehrlich gesagt leider wenig überzeugend. Irgendwie wirkt das hingeschludert, lieblos zusammengebastelt, nicht zu Ende gedacht. Mir erschließt sich beispielsweise nicht, wie du am 1. Tag Tag und Nacht machen kannst, wenn du erst am 4. Sonne und Mond erschaffst. Das ist unlogisch. Und wie können die Bäume am 3. Tag Früchte tragen, wenn die Bienen erst am 6. auf der Bildfläche erscheinen? Das funktioniert so nicht, das ist einfach nicht plausibel. (Übrigens, die Äpfel hier, die sind aber schon bio und ungespritzt, oder? Weißt du, ich hab einen empfindlichen Magen.)
Und wieso laufen hier eigentlich alle splitternackt herum? Ich hole mir garantiert einen Sonnenbrand. Und dauernd wird es Abend und Morgen – viel zu viele Wiederholungen, das solltest du straffen, sonst wird es über die Jahrtausende langweilig.

Dann hast du da also diese ganzen Tiere erschaffen: Einige sind ja recht gelungen und handwerklich solide gemacht, aber die Elefanten beispielsweise sind mir viel zu dick aufgetragen, die Rochen sind einfach zu platt, die Eisbären bleiben blass, die Giraffen wirken irgendwie gestelzt, die Bäume hölzern, die Fische sagen mir nichts. Den Bergen fehlt die Tiefe.
Wie gesagt, die Grundidee gefällt mir ja, aber das wirkt doch alles sehr konstruiert. (Hast du eigentlich schon mal was von Darwin gehört? Solltest du bei Gelegenheit mal lesen, da könntest du noch was lernen! — Mein Gott, Sinn für Humor hast du wohl gar keinen?)

Also, auch, wenn das hier dein Debüt ist, überzeugt es mich nicht, es reißt mich einfach nicht vom Hocker. Deine ästhetische Konzeption zeigt zwar gute Ansätze, alles in allem nicht unsympathisch, die Inszenierung kommt aber insgesamt doch ziemlich amateurhaft daher.
Ganz nett, recht originell und von einigem Unterhaltungswert, ein gewisses Talent ist erkennbar, aber da hättest du einfach mehr draus machen müssen, aus so einer Schöpfung, hier wurde eine Chance verspielt. Schade.

Okay, der Mensch ist eine ganz witzige, schräge Idee, aber in der Umsetzung hapert es dann doch gewaltig: Die Konstruktion ist unpräzise, unausgegoren, und die Pointe viel zu vorhersehbar!
Auch sprachlich ist das eher schwach, da müsste noch gefeilt werden: ‚Seid fruchtbar und mehret euch in vernünftigem Maße‘, und: ‚Macht euch die Erde untertan, aber macht sie nicht kaputt.‘ – Das ist doch selbstverständlich und banal, das würde ich nochmal überarbeiten und kürzen!

Die Story geht für mich irgendwie nicht auf. Ich kann den Sinn des Ganzen nicht erkennen, mir fehlt da einfach ein schlüssiges En –“

Da nahm Gott den zappelnden Kritiker in die Hand, drückte ihn wieder zu einem Lehmklumpen zusammen und knetete daraus eine Schlange.