Archive for the ‘Uncategorized’ Category

Entenrennen

Oktober 6, 2008

Das sind ein paar der 6000 Quietscheentchen, die dieses Jahr auf dem Neckar schwimmen gingen, weshalb es auch eigentlich korrekterweise Entenschwimmen heißen müsste. Mein Quackquack wurde Hundertvierter, tolle Leistung, habe auch fleißig vorher in der Badewanne mit ihm trainiert.

Das Ganze findet zugunsten einer ganzen Reihe von guten Zwecken statt.

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Wo die Pinguine quietschen oder: Barcamp Stuttgart 27./28.9.2008 Part 2

September 30, 2008

Um kollektive Denkprozesse ging es auch in einer Session zum Thema: „World Social Web Dialog„. Da stellte Ingmar Redel ein ambitioniertes Projekt vor, um Standards zu entwickeln, die es Organisationen und Aktivisten, die sich für gesellschaftliche Partizipation einsetzen (z.B. ATTAC, der BUND oder Transparency International, aber auch und gerade kleine lokale Gruppen), ermöglichen sollen, sich global zu vernetzen und website-übergreifend transnationale Dialoge zu führen.
Wie finden sich die Leute? Wie erfährt man von Aktionen, die einen interessieren und filtert dabei sinnvoll die Informationsmenge, die bei einem solchen global gedachten Projekt entsteht? Dazu braucht es alternative zensurfreie Suchmaschinen und semantische Suchmöglichkeiten, die auch sprachenübergreifend funktionieren.
Wie geht man mit den technischen Beschränkungen in nicht so wohlhabenden Ländern um? Was kann man tun um staatliche Zensur zu umgehen?

Gerade derzeit bei der Finanz- und Hungerkrise merken wir ja wieder, dass es Probleme gibt, die nicht mehr regional oder national handelbar sind und dass „die da oben“ auch nicht unbedingt blind vertrauenswürdig und kompetent sind, diese Probleme für uns zu lösen.

Aber auch für Leute, die Geld verdienen wollen, ist 2.0 anscheinend mittlerweile unumgänglich. Auch bei der Session von Crow’n’Crow, einer Firma, die custumizete Sitzsäcke und Taschen herstellt und vertreibt, ging es um Interaktivität und Community-Funktionen. User-Design. Also nicht die User sollen designt werden, sondern die können Designs selber entwerfen.
Und auch Radio NRJ will die Kommunikationsmöglichkeiten im Netz ausschöpfen und goes jetzt Twitter. (Wer unter meinen Lesern weiblich und 25 ist gofollow bitte mal hier.)


Kennt ihr das, manchmal hat man das Gefühl, der Tag müsste 25 Stunden haben und man müsste an 2 Orten gleichzeitig sein? Also in meinem Fall bei der Session über „Politik 2.0 & Social Media, die ungünstigerweise gleichzeitig mit der zum Thema „Entschleunigung“ von Yoda stattfand. (Ob die nun entscheidend geholfen hat, kann ich noch nicht sagen, das wird die Zeit erweisen.)

Interessante Impulse für alle, die selbständig arbeiten, gab es in dieser Session jedenfalls viele:

Qualität braucht Zeit. Auch im Journalismus. Wenn es nur darum geht, erster zu sein, bleibt die Recherche-Genauigkeit leider oft auf der Strecke.
Agieren statt Reagieren. Nicht immer erreichbar sein. Nicht immer mit 5 Aufgaben gleichzeitig jonglieren. (Wer dauernd vom klingelnden Telefon, dem klopfenden Kollegen, und „mal eben dazwischen geschobenen“ Aufgaben aus dem Takt gebracht wird, fühlt sich schneller gestresst, als wenn er selber bestimmt, was er wann wie lange tut.)
Prioritäten setzen, Real-Life-Spam herausfiltern. (Ist das jetzt wirklich wichtig oder tut es nur so?)
Relevanz: Was ist für mich persönlich wichtig?
Nachhaltigkeit: Was von dem, was ich hier mache ist auch morgen/in einer Woche/in einem Jahr/in hundert Jahren noch wichtig?

Muss ich wirklich mitrennen im Hamsterrad, nur weil alle das so machen? Wem oder was rennt man da hinterher? Wovor rennt man weg? Und warum?
– Sollten wir wirklich diese „Powermenschen“ bewundern, die 16 Stunden am Tag ackern und machern und managern, die sich nur über ihre Leistung definieren und am Wochenende eine halbe Stunde „Qualitytime“ mit ihren Kindern verbringen, oder sollten wir diese armen Schweine nicht lieber bedauern?
– Einen Spaziergang an einem Waldbach machen.
– Yo, da hat der Yoda wohl Recht, Twitter ist ein Produktivitätsvermeidungstool ersten Ranges. Macht aber trotzdem Spaß.


Und wenn es trotzdem mal wieder nicht klappt mit dem An-zwei-Orten-gleichzeitig-sein, dann hilft vielleicht Zauberei.
Zumindest habe ich unseren Barcampzauberer
Till Haunschild im Verdacht, dass er sowas kann, Mir ist es nämlich ein ungelöstes Rätsel, wie man es anstellt, Empfang, Namensschilder- und T-Shirt-Ausgabe, Garderobe, Buffett, Kaffeeschlange, Teeausgabe, Frühstücksraum und den Durchgang zu allen verfügbaren Räumen für 200 Leute auf 30 Quadratmetern unterzubringen, ohne dass die Materie dabei ernstlich Schaden nimmt.

Vielen Dank übrigens den Barcamp-Organisatoren für die super Orga! Einfach phantastisch! Und erstaunlich, wie sie es dabei auch noch immer geschafft haben, so unhektisch auszusehen! 🙂

Danke auch an alle Barcamp-Sponsoren.

PS: Achja, die Sache mit dem Pinguin (Bild by Yoda) muss ich noch aufklären für die Leser, die das Barcamp Stuttgart verpasst haben: Der schaute jeweils nach einer halben Stunde bei den Sessions herein, um die Diskussion einzuläuten, bzw. einzuquietschen, damit niemand die Zeit verpasste. Was aber eigentlich meist gar nicht nötig war, die Diskussion war meist sowiieso schon längst im Gange, so richtig zweipunktnullig halt.

Gewohnheitstier

September 25, 2008

Der Mensch geht seinen gewohnten Gang, und das ist vermutlich evolutionär gesehen auch eine recht vernünftige Einrichtung. Wer immer die selbe Strasse benutzt von zu Hause zum Büro und wieder zurück, obwohl ihm noch mindestens 3 vermutlich ebensoschöne offenstünden, kennt seinen Weg durchs Revier.

Er weiss, wo Gefahren durch wilde Tiere lauern, beispielsweise durch den Nachbarund, der immer hinterhältig hinter der Thujahecke kauert um dann, hat er einen arglosen Passanten gewittert, mit lautem Gekläff und Geknurr gegen den Jägerzaun zu springen.
Der Gewohnheitsmensch kennt die Stellen, wo sammeln und jagen erfahrungsgemäss erfolgversprechend scheinen: den Supermarkt an der Ecke und das „Wienerwald“.

Wer immer seinen Routinen und Ritualen folgt, spart sich viel Nachdenken.  Er kann seinen Kopf in der Zeit sinnvoller nutzen und beispielsweise über die Grundlagen der Quantenphysik nachdenken statt zu überlegen, ob der die linke oder die rechte Socke zuerst anziehen soll.

Aber manchmal sollte der Mensch die Dinge einfach einmal ganz gegen seine Gewohnheit tun.
Dann merkt er wieder, dass er lebt.

Vorbild sein

September 12, 2008

An ein paar Fussgängerampeln (nein, nicht an dieser hier) wurde zum Schulanfang ein Schild angebracht: „Bei Rot stehen. Kindern Vorbild sein!“ Das „K“ hatte dann irgendein Witzbold mit Klebeband überklebt. Normalerweise liebe ich solche Buchstabenspielereien, aber 1. ist seit der rechtspopulistischen „Kinder statt Inder“-Kampagne dieses Wortspiel in Deutschland nicht mehr so wirklich der Bringer und 2. stehen besagte Ampeln 20 Meter Luftlinie von einem Pizza-Service entfernt, der von Sikhs betrieben wird. Die müssen also täglich an diesen Ampeln vorbei. Was sie wohl dabei denken? Sie müssen diesen „Scherz“ doch direkt auf sich beziehen, oder?

Ich habe mich geärgert, ein bisschen fremdgeschämt – und bin weitergegangen und habe die Sache vergessen.

Heute stand ich mal wieder an einer dieser Ampeln und mir fiel auf, dass jemand bei dieser den Klebestreifen entfernt hatte. Selbiges tat ich dann endlich auch mit den anderen Schildern.
Wieso hatte ich erst das Vorbild eines anderen gebraucht, um aus diffusem Unbehagen, stiller Empörung und innerem Kopfgeschüttel endlich Handlung werden zu lassen?

Aber wer weiss, vielleicht haben mich ja ein paar Kinder zufällig dabei beobachtet, wie ich das Klebeband mit den Fingernägeln vom Schild gekratzt habe…

Über Ampeln

September 3, 2008

Wer an Fussgängerampeln steht, hat Zeit zum Nachdenken. Er hat ja eine Minute lang sonst nichts zu tun. Erstaunlich, was einem dabei alles ein- und auffällt, vorausgesetzt, dass man zügig denkt.

Es gibt da eine Fussgängerampel, über die ich zweimal täglich muss und die ich Selbstmordkandidaten nur wärmstens empfehlen könnte. Ein bisschen tut sie mir leid, diese Ampel, denn sie wird grundsätzlich nicht für voll genommen. In einem Land wie Italien oder Ägypten beispielsweise hätte sie wenigstens Kollegen, denen sie ihr Leid blinken könnte. In Deutschland ist sie ein Exot. Deshalb falle ich auch immer wieder auf sie herein. Morgens sind die Autofahrer entweder noch nicht recht wach oder in Eile oder, was mir am wahrscheinlichsten erscheint, auf dem Weg ins Büro eh in der Stimmung jemanden umzunieten. Da wird also, wenn das Signal von Gelb auf Rot springt oder gerade eben, vor, sagen wir, nicht einmal 3 Sekunden auf rot gesprungen ist, nochmal kräftig beschleunigt, das spart immerhin im Maximalfall 15 Sekunden (so lange dauert die Rotphase für die Autofahrer).

Relativ blöd nur, wenn sich zufällig gerade ein Fussgänger auf dem Fussgängerüberweg befindet.

Definitiv blöd, wenn man selber dieser Fussgänger ist.

Aber wenigstens sind nach so einem Beinahe-Unfall Fahrer wie Fussgänger so richtig wach. Also zumindest, wenn letzterer noch lebt.

Am Abend geht das gleiche Spielchen in umgekehrter Richtung. Dann steht die Sonne schräg und welche Farbe die Ampel zeigt, ist schwer auszumachen. Die Autofahrer (alle Autofahrer) nehmen selbstverständlich zu ihren Gunsten an, dass sie grün haben. Übrigens auch bei Nebel, Regen, Föhn und Sandsturm.

Jetzt ist es schon wieder rot. Doch länger gedacht als gedacht. Aber gehen wir mal. Solange gerade kein Auto kommt…

Blogcamping in Switzerland

September 1, 2008

29.8.2008

Nach dem Umzug zu WordPress riecht es noch ein bisschen nach frischer Farbe hier (Bitte nicht an den Bildschirm lehnen!), und die Kisten mit den alten Artikeln und Links sind auch noch nicht ausgepackt. Also ist zugegebenermassen noch nicht exzessiv viel zum Herzeigen hier, als ich mich aufmache nach Zürich zum ersten Blogcamp meines Lebens.

Die gern in Journalistenkreisen ausgebreiteten Mutmassungen darüber, was das eigentlich für Menschen sind, diese Blogger, und ob, gehen ja weit auseinander. Ich bin gespannt.

Das Blogcamp Switzerland 3.0 also findet sich im Zürcher Technopark beim Tag der Informatik und als ich dort ankomme, ist Organisator Peter Hogenkamp gerade dabei, Fragen zu beantworten zum Thema, wie man in einem Blogwerk die virtuelle Kommunikation so organisiert, dass das keinen Puff gibt. Nein, einen Puff im Büro möchte man in Deutschland genauso ungern haben wie in der Schweiz. (Übrigens, fällt mir bei der Gelegenheit ein, beträgt das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Camp-Besuchern etwa 9:1.)

Nach der Mittagspause besuche ich eine sehr interessante Session über mobile Vernetzung in Afrika. Dabei kann man beispielsweise erfahren, dass Festnetz in Malawi nicht funktioniert, weil das eine Ende des Kuperkabels quasi schon gestohlen ist, bevor das andere fertig montiert ist, oder wie man ein Handy auflädt, wenn es keine Elektrizität gibt und welche anderen kreativen und innovativen Geschäftsideen die mobilen Technologien unter den erschwerten Bedingungen eines der ärmsten Länder der Welt hervorbringen. Auch zur Verbreitung unabhängiger, nicht regierungsgesteuerter Information bieten Twitter und Blogs wichtige Tools.

Medienleser Ronnie Grob stellt in der nächsten Session, die ich besuche, die These auf (oder nach), dass die Dummheit des einzelnen die Weisheit der vielen ist. Das tönt doch mal ermutigend.

Zum Abschluss lauschen wir noch dem bloggenden Bundesrat Moritz Leuenberger, dem wohl prominentesten Blogger der Schweiz. (Deutschland hat zwar die erste podcastende Kanzlerin der Welt und einen Innenminister mit eigenem Trojaner, aber in blögglerischer Hinsicht noch einiges aufzuholen.)

Anschliessend probiere ich noch bei einer kleinen privaten Session aus, welche Wirkung Bier + Sonne auf einen ziemlich nüchternen Magen kumulieren, der sonst nur Malzbier gewohnt ist. Und spätestens am späteren Abend, als ich mich noch ein bisschen durchs Langstrassen- und Dörflifest treiben lasse, bereue ich es gar nicht mehr, dass ich die erste morgendliche Session der Blogcamps geschwänzt hatte. (Von dem in den Medien so gehypten Botellon und dem damit einhergehenden Untergang des Abendlandes habe ich übrigens nicht viel mitgekriegt, ausser ein paar Jugendlichen im Tram Nummer 4, und die waren ausgesprochen höflich und hielten einer alten Frau wie mir sogar die Tramtür auf.)

30.8.2008

Am Samstag, nach den obligatorischen Einkäufen eines Deutschen in der Schweiz (Gruyère, Bündnerfleisch, Schokolade, Rivella gelb), einem Besuch bei meinem Lieblings-Chagallengel im Fraumünster (iein Eintrag im Gästebuch lautet: „Beautiful glasses!“), und einem Bummel über den Flohmarkt (Um etwas über eine andere Kultur zu erfahren, ist es nicht das Schlechteste, sich anzuschauen, was diese über die letzten ca 100 Jahre so alles für aufhebens- und sammelnswert befunden hat.) verbringe ich noch einen herrlichen Spätsommernachmittag am und im See, bevor es ziemlich geschafft wieder in Richtung grosser Kanton geht.