Posts Tagged ‘Ampel’

Vorbild sein

September 12, 2008

An ein paar Fussgängerampeln (nein, nicht an dieser hier) wurde zum Schulanfang ein Schild angebracht: „Bei Rot stehen. Kindern Vorbild sein!“ Das „K“ hatte dann irgendein Witzbold mit Klebeband überklebt. Normalerweise liebe ich solche Buchstabenspielereien, aber 1. ist seit der rechtspopulistischen „Kinder statt Inder“-Kampagne dieses Wortspiel in Deutschland nicht mehr so wirklich der Bringer und 2. stehen besagte Ampeln 20 Meter Luftlinie von einem Pizza-Service entfernt, der von Sikhs betrieben wird. Die müssen also täglich an diesen Ampeln vorbei. Was sie wohl dabei denken? Sie müssen diesen „Scherz“ doch direkt auf sich beziehen, oder?

Ich habe mich geärgert, ein bisschen fremdgeschämt – und bin weitergegangen und habe die Sache vergessen.

Heute stand ich mal wieder an einer dieser Ampeln und mir fiel auf, dass jemand bei dieser den Klebestreifen entfernt hatte. Selbiges tat ich dann endlich auch mit den anderen Schildern.
Wieso hatte ich erst das Vorbild eines anderen gebraucht, um aus diffusem Unbehagen, stiller Empörung und innerem Kopfgeschüttel endlich Handlung werden zu lassen?

Aber wer weiss, vielleicht haben mich ja ein paar Kinder zufällig dabei beobachtet, wie ich das Klebeband mit den Fingernägeln vom Schild gekratzt habe…

Über Ampeln

September 3, 2008

Wer an Fussgängerampeln steht, hat Zeit zum Nachdenken. Er hat ja eine Minute lang sonst nichts zu tun. Erstaunlich, was einem dabei alles ein- und auffällt, vorausgesetzt, dass man zügig denkt.

Es gibt da eine Fussgängerampel, über die ich zweimal täglich muss und die ich Selbstmordkandidaten nur wärmstens empfehlen könnte. Ein bisschen tut sie mir leid, diese Ampel, denn sie wird grundsätzlich nicht für voll genommen. In einem Land wie Italien oder Ägypten beispielsweise hätte sie wenigstens Kollegen, denen sie ihr Leid blinken könnte. In Deutschland ist sie ein Exot. Deshalb falle ich auch immer wieder auf sie herein. Morgens sind die Autofahrer entweder noch nicht recht wach oder in Eile oder, was mir am wahrscheinlichsten erscheint, auf dem Weg ins Büro eh in der Stimmung jemanden umzunieten. Da wird also, wenn das Signal von Gelb auf Rot springt oder gerade eben, vor, sagen wir, nicht einmal 3 Sekunden auf rot gesprungen ist, nochmal kräftig beschleunigt, das spart immerhin im Maximalfall 15 Sekunden (so lange dauert die Rotphase für die Autofahrer).

Relativ blöd nur, wenn sich zufällig gerade ein Fussgänger auf dem Fussgängerüberweg befindet.

Definitiv blöd, wenn man selber dieser Fussgänger ist.

Aber wenigstens sind nach so einem Beinahe-Unfall Fahrer wie Fussgänger so richtig wach. Also zumindest, wenn letzterer noch lebt.

Am Abend geht das gleiche Spielchen in umgekehrter Richtung. Dann steht die Sonne schräg und welche Farbe die Ampel zeigt, ist schwer auszumachen. Die Autofahrer (alle Autofahrer) nehmen selbstverständlich zu ihren Gunsten an, dass sie grün haben. Übrigens auch bei Nebel, Regen, Föhn und Sandsturm.

Jetzt ist es schon wieder rot. Doch länger gedacht als gedacht. Aber gehen wir mal. Solange gerade kein Auto kommt…