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Lange LeseNacht 2008

September 2, 2008

Die Gewinnerin des diesjährigen Wettbewerbs steht fest, wie Silke Porath nach nächtlicher Jurysitzung mitteilt. Gewonnen hat Karin Lang mit ihrer Geschichte zum diesjährigen Besetzungscouch-Thema „Sofa“, die sich gegen 131 Konkurrenten durchsetzte. Herzlichen Glückwunsch!

Die Lange Lesenacht findet am 25. Oktober 2008 im Gewerbemuseum Spaichingen statt. Es werden sich sicher wieder viele hörenswerte Autoren aus ganz Deutschland zu diesem kleinen aber feinen Geheimtipp der Lesekultur die Klinke bzw. das Jugendstilsofa in die Hand geben. (Termin bitte vormerken!)

Mehr Infos in Kürze sicher hier: www.silke-porath.de

PS: Sehr traurig bin ich natürlich, dass Luigi Brogna nicht mehr dabei sein wird. Gigi, wir werden dich vermissen.

PPS: Passend zum Anlass noch einmal mein kleines Gedicht, das mir letztes Jahr den Sonderpreis der Jury einbrachte. Das Wettbewerbsthema lautete „Besetzt“ und was mir dazu naheliegenderweise einfiel, lässt sich hier nachlesen.

Update

NRWZ: Karin Lang kommt auf die Besetzungscouch

Ein dringendes Bedürfnis

September 2, 2008

Party mit viel Sekt und Bier.
Ebendarum steh ich hier
am beschaulich-stillen Ort:
Was reinfloss will nun wieder fort.

Äußerst eng ist die Latrine.
Es ist die einzige Kabine
verriegelt und das Schildchen rot.
Kein Urinal im Angebot.
Die Blase funkt schon S.O.S.:
„Mach ma hinne da, Express!

Zählst du auch die Bodenfliesen,
deutlich sei drauf hinjewiesen,
wie ick jerade wieda merke:
Jeduld is nich so meine Stärke.
Mein Freund, es sei hier klar umrissen:
Unsre Lage ist beschwerlich.“

An Feuerwehren, Sommerregen,
Boote, die vom Strand ablegen,
Wasserrutschen, Schwimmturniere,
Waschanlagen, an Geysire,
an Niagara, denk ich kurz.
Da ertönt ein feuchter Furz.

Die Blase: „Meister, wollt nur wissen:
Wird dit heut noch watt mit pinkeln?
Watt treibt da drinne dieset Wesen?
Den „Herrn der Ringe“ fertichlesen??
Der soll sich ma am Riemen reißen,
kann der Typ nich schneller schauen, dass er fertich wird?“

Ich stelle mich dicht an den Rand
der hölzernen Kabinenwand,
ob sich nicht was vernehmen ließe
durch die Tür zum Paradiese. —
Es stöhnt. Verhalten gluckern Säfte.
Mir schwanen größere Geschäfte…

Als letzten Ausweg zu beflecken
taxiere ich das Handwaschbecken.
Ob man darein schnell heimlich kann?
Da stellt sich einer hinten an.

Die Blase meldet unterdessen:
„Sagma, wäre es vermessen,
wenn ick in Erinnrung brächte:
Ick habe ooch jewisse Rechte!
Leiste täglich meine Fron,
doch, bitteschön, wer bin ick schon!
Du kannst mich gerne weiter quälen
und nochmal bis hundert zählen.“

Wie ein Yogi, ganz gelassen,
konzentriert aufs Atemfassen,
betrachte ich mir ganz in Ruhe
die Spitzen des Besetzers Schuhe
untendurch aus schrägem Winkel:
Italienisch. Feiner Pinkel.

Darauf die Blase: „A pro Po,
Chef, sach an, wie stehtet so?
Willst du noch weiter hier sinnieren,
kann ick für nüscht mehr jarantieren…“

Ich verlass den Leidgenossen,
der sich da drin eingeschlossen,
weil ich jetzt sehr deutlich sehe,
dass er nicht kann, weil ich hier stehe.

So beschließe ich zu gehn,
ne Runde durch den Garten drehn,
und such, wie schon Rousseau verfuhr,
den Weg zurück zu der Natur.

(Diana Porr)