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Einheitsbrei

Oktober 3, 2008

Pünktlich zum Deutschen Einheiztag haben die Gaskonzerne ihre Preise — Moment, falsches Thema.

Also, wir feiern heute die Deutsche Einheit. Oder was man gemeinhin so nennt. Denn so wirklich einheitlich kommt mir Deutschland immer noch nicht vor, auch wenn die Bayern die CSU jetzt ein bisschen abgewählt haben, was die kleinen Parteien, also FDP, SPD, Grüne und Freie Wähler, natürlich tierisch gefreut hat, besonders die (Neo-)Liberalen, wenn es jetzt zu einer schwarzgelben Koalition kommt. Aber ob sich der Rest der Republik über diesen Rechtsruck wirklich freuen sollte?

Aber ich wollte ja eigentlich etwas Feierliches zum Tag der Deutschen Einfalt hier schreiben. Einheit. Richtig. Komisches Wort. Klingt irgendwie verdächtig sozialistisch. Einheitliche Löhne für gleiche Arbeit, sogar für Frauen und Ossis, niemand darf wegen seines Geschlechts oder seiner Herkunft benachteiligt werden, das ist z.B. so ein wirres Gewäsch. Die Leute sollen doch dankbar sein, dass überhaupt wieder neue Jobs entstehen. Sind zwar hauptsächlich Leiharbeits- und Praktikantenstellen, also quasi eine moderne Mischung zwischen Leibeigenschaft und Tagelöhnerei, aber hey, von der Arbeit auch noch leben können zu wollen ist jetzt auch ein bisschen dreist, oder? Man kann eben nicht alles haben.
Und dann ruft es immer gleich nach dem Staat, dieses ungewaschene arbeitsscheue Gesindel da, als ob der nix besseres zu tun hätte.
Mit Milliardenbürgschaften Banken sanieren zum Beispiel. Und wenn der Bürgschaftsfall dann wirklich eintritt, was bei der derzeitigen weltkonjunkturellen Lage niemand wirklich ausschließen mag, dann wird eben das Hartz IV ein bisschen gekürzt, das kriegen wir schon hin. Wozu braucht eine Hartz IV-Familie denn auch Geld für Kultur und Bildung? Der gemeine Spitzenmanager oder Finanzoptimierer kommt doch auch prima ohne durchs Leben. Dem reichen ein paar Nu-, äh, Modells, ein paar Yachten und ein Damian Hurst fürs Büro. Daran sollten sich diese ganzen alleinerziehenden Mütter ruhig mal ein Beispiel nehmen, statt ständig über fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten zu nörgeln. In Sachen Kinderbetreuung ist der Osten sogar Spitze, und die Frauen gehen trotzdem nicht arbeiten, bloß weil der nächste ihnen angebotene Arbeitsplatz 200 Kilometer weit weg liegt. Dann sollen sie halt einen Gaskonzern gründen oder eine Bank. So ein bisschen Flexibilität  und Eigeninitiative wird man doch wohl erwarten können vom Arbeitnehmer des 21. Jahrhunderts. Wie soll der Wirtschaftsstandort in dem wir leben sonst langfristig mit den Löhnen in Rumänien, Indien und China konkurrieren können?

PS: Was ist eigentlich aus den Bürgerrechtlern der Wendezeit geworden?