Posts Tagged ‘Zürich’

Blogcamping in Switzerland

September 1, 2008

29.8.2008

Nach dem Umzug zu WordPress riecht es noch ein bisschen nach frischer Farbe hier (Bitte nicht an den Bildschirm lehnen!), und die Kisten mit den alten Artikeln und Links sind auch noch nicht ausgepackt. Also ist zugegebenermassen noch nicht exzessiv viel zum Herzeigen hier, als ich mich aufmache nach Zürich zum ersten Blogcamp meines Lebens.

Die gern in Journalistenkreisen ausgebreiteten Mutmassungen darüber, was das eigentlich für Menschen sind, diese Blogger, und ob, gehen ja weit auseinander. Ich bin gespannt.

Das Blogcamp Switzerland 3.0 also findet sich im Zürcher Technopark beim Tag der Informatik und als ich dort ankomme, ist Organisator Peter Hogenkamp gerade dabei, Fragen zu beantworten zum Thema, wie man in einem Blogwerk die virtuelle Kommunikation so organisiert, dass das keinen Puff gibt. Nein, einen Puff im Büro möchte man in Deutschland genauso ungern haben wie in der Schweiz. (Übrigens, fällt mir bei der Gelegenheit ein, beträgt das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Camp-Besuchern etwa 9:1.)

Nach der Mittagspause besuche ich eine sehr interessante Session über mobile Vernetzung in Afrika. Dabei kann man beispielsweise erfahren, dass Festnetz in Malawi nicht funktioniert, weil das eine Ende des Kuperkabels quasi schon gestohlen ist, bevor das andere fertig montiert ist, oder wie man ein Handy auflädt, wenn es keine Elektrizität gibt und welche anderen kreativen und innovativen Geschäftsideen die mobilen Technologien unter den erschwerten Bedingungen eines der ärmsten Länder der Welt hervorbringen. Auch zur Verbreitung unabhängiger, nicht regierungsgesteuerter Information bieten Twitter und Blogs wichtige Tools.

Medienleser Ronnie Grob stellt in der nächsten Session, die ich besuche, die These auf (oder nach), dass die Dummheit des einzelnen die Weisheit der vielen ist. Das tönt doch mal ermutigend.

Zum Abschluss lauschen wir noch dem bloggenden Bundesrat Moritz Leuenberger, dem wohl prominentesten Blogger der Schweiz. (Deutschland hat zwar die erste podcastende Kanzlerin der Welt und einen Innenminister mit eigenem Trojaner, aber in blögglerischer Hinsicht noch einiges aufzuholen.)

Anschliessend probiere ich noch bei einer kleinen privaten Session aus, welche Wirkung Bier + Sonne auf einen ziemlich nüchternen Magen kumulieren, der sonst nur Malzbier gewohnt ist. Und spätestens am späteren Abend, als ich mich noch ein bisschen durchs Langstrassen- und Dörflifest treiben lasse, bereue ich es gar nicht mehr, dass ich die erste morgendliche Session der Blogcamps geschwänzt hatte. (Von dem in den Medien so gehypten Botellon und dem damit einhergehenden Untergang des Abendlandes habe ich übrigens nicht viel mitgekriegt, ausser ein paar Jugendlichen im Tram Nummer 4, und die waren ausgesprochen höflich und hielten einer alten Frau wie mir sogar die Tramtür auf.)

30.8.2008

Am Samstag, nach den obligatorischen Einkäufen eines Deutschen in der Schweiz (Gruyère, Bündnerfleisch, Schokolade, Rivella gelb), einem Besuch bei meinem Lieblings-Chagallengel im Fraumünster (iein Eintrag im Gästebuch lautet: „Beautiful glasses!“), und einem Bummel über den Flohmarkt (Um etwas über eine andere Kultur zu erfahren, ist es nicht das Schlechteste, sich anzuschauen, was diese über die letzten ca 100 Jahre so alles für aufhebens- und sammelnswert befunden hat.) verbringe ich noch einen herrlichen Spätsommernachmittag am und im See, bevor es ziemlich geschafft wieder in Richtung grosser Kanton geht.